Hartacker: Kapellenplatz

Kapelle Hartacker

Bereits „seit Menschengedenken“ bestand in der Ortschaft Hartacker eine kleine Dorfkapelle, „die sich jedoch in jeder Beziehung als unzureichend erwies“, heißt es in einer Abrechnung des Kapellenbaus vom 17. 12. 1911. 

Anlässlich der Übertragung der Gemeindejagd Hartacker an die Herren Max von Schirnding, kgl. Oberlokomotivführer, und Max Wolf, kgl. Waffenmeister, beide Ingolstadt, machten diese ein Geschenk von 1.000 Mark „für Zwecke der engeren Ortschaft Hartacker“. Am 23. 1. 1910 beschloss eine hierzu einberufene Gemeindeversammlung auf der Grundlage der vom Vohburger Maurermeister Sebastian Lindner erstellten Pläne und Kostenvoranschläge den Abbruch der alten Kapelle und den Neubau. Der Bauantrag wurde am 6. 2. 1910 gestellt und am 11. 2. 1910 vom Kgl. Bezirksamt Pfaffenhofen genehmigt.

Die Grundrissmaße der Kapelle betragen 7,80 x 4,50 m, die Höhe des Turms 9 m. Sie sollte Platz bieten für 36 Knie- und Sitz- sowie ca. 30 Stehplätze. Die Bauausführung im Frühjahr/Sommer 1910 erfolgte bis zur Sockelhöhe in Bruchstein, dann mit Ziegelsteinen. Während der Bauarbeiten kam das Hochwasser, die Kapelle wurde 50 cm überflutet. Nach der bereits zitierten Abrechnung fielen Ausgaben in Höhe von 2.035,96 Mark an, darunter für den Maurermeister Lindner 1.433,65 Mark, den Spengler Johann Hammerschmid für das Dach- und Turmdecken 85,70 Mark, den Schreiner Josef Bauer für Stühle, Gitter und Sonstiges 200,50 Mark sowie für das Ausmalen und
die Lieferung eines Kreuzweges 82,70 Mark. Weitere 125,85 Mark kostete die vom Glockengießer Vielwerth geschaffene Glocke. Für 93,25 Mark wurde eine Marienstatue gekauft. Die Bürgerinnen und Bürger übernahmen den Transport von Materialien und spendeten Ausstattungsgegenstände.

Zu dem bereits erwähnten Geschenk von 1.000 Mark und einigen kleineren Ausgaben musste die Gemeindekasse Hartacker noch 982,82 Mark leisten, um die Ausgaben decken zu können. Letztmals vor der Eingemeindung wurde die Kapelle 1968 unter Bürgermeister Andreas Felser umfassend mit Kosten von rd. 5.500 DM renoviert. Dabei wurde der gesamte Putz erneuert, der Dachstuhl ausgebessert und das Dach neu eingedeckt. Die Verglasung mit Butzenscheiben erfolgte kostenlos durch eine Vohburger Firma. Die Hartackerer Bürger leisteten knapp 400 Arbeitsstunden. Im Innern der Kapelle wurde die Gedenktafel für die Gefallenen des 2. Weltkrieges angebracht.

1980 wendete die Stadt Vohburg für die Beseitigung von Putzschäden und die Erneuerung des Farbanstriches knapp 5.000 DM auf. 1985 erfolgte mit einem Aufwand von ca. 43.000 DM eine umfassende Sanierung mit einer Trockenlegung des Gebäudes vor. 1997 wurden erneut Putzschäden beseitigt und ein neuer Anstrich vorgenommen. Zuletzt beteiligte sich die Stadt im Jahre 2005 an der Renovierung des dort befindlichen Kreuzweges, den das Pfarramt Vohburg zur Verfügung stellte, mit 50 % der Kosten bzw. einem Betrag von rd. 2.500 €. 

Die Innenausstattung der Kapelle, die sich im Besitz der Stadt Vohburg befindet, besteht aus einem neugotischen Gestühl und einem schlichten Altar mit einer Madonnenfigur im Stil der Nazarener. Die ebenfalls dort befindlichen Kreuzweg-Tafeln wurden 2005 durch die Pfarrgemeinde für die Kapelle zur Verfügung gestellt; die 12. Station fehlt und ist durch ein schlichtes Kreuz ersetzt.

Die Kapelle ist bei der Flurprozession in den Osten Vohburgs die 2. Station.

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